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„sex-pop“, „pop-kultur“, „pop-art“ und die rauchende hannah arendt

März 18, 2008

endlich ist es soweit, knusperflocken geht auf „klicks-jagd“. bei meinem täglichen streifzug durch das 2nd-life bin ich auf der homepage von roger behrens über den artikel „sex-pop“ gestolpert. roger behrens, dozent an mehreren universitäten, spricht im anschluss an die erkenntnisse u.a. von adorno, benjamin, horkheimer, aber auch von bertolt brecht von der aufhebung (*hier im sinne hegels als negation, aufbewahrung und erhöhung*) von „kulturindustrie“ und fordismus zum „pop“ (*kurz für populärkultur*) im zeitalter des post-fordismus. “popkultur“ kann man lt. behrens von „kulturindustrie“ insofern unterscheiden, als dass das zur-ware-werden der kultur im fordismus, sich in das zur-kultur-werden der ware gewandelt hat.

 aus der beobachtung, dass kapitalismus als gesellschaftliches phänomen nur noch in bezug auf den konsum und somit auch im „pop“ wahrnehmbar ist, konstatiert behrens weiter: „pop erscheint als sphäre, in der gesellschaftliche widersprüche beständig neu verhandelt werden können, ohne dabei mit der gesellschaftlichen struktur, die ja wesentlich in diesem widersprüchen fundiert ist, in konflikt zu geraten.“ (S. 14) mit dieser aussage spricht er, wie bereits in vielen seiner publikationen z.B. „die diktatur der angepassten“ (*sehr lesenswert, anmerk. knusperflocken*) angesprochen, der „popkultur“, die ihr von vielen kulturinteressierten zugesprochenen subversivität in allen belangen ab. wobei beachtet werden sollte, dass mit „pop“/ „popkultur“ nicht nur die „popmusik“ im herkömmlichen sinne gemeint ist, sondern “popkultur“, ähnlich “kulturindustrie“ „… alles ist“. (zitat heinz steinert, jungle world nr. 38/2003). zu diesem „alles“ gehören auch die diversen politischen diskurse, welche derzeit geführt werden, so z. bsp. zur „queer-/ gender- politik“. wenn wie behrens weiter ausführt, „gesellschaft“ durch „kultur“ ersetzt wurde und eine kulturalisierung eingesetzt hat, welche sich bis in die eigentliche warenproduktion, dem wo der kapitalismus sich von anderen gesellschaftssystemen unterscheidet, hineinreicht – wir erinnern uns kurz an die „gläserne fabrik“ von volkswagen in dresden, wo warenproduktion als kulturelles ereignis dargestellt wird – dann bleibt von der hoffnung z. bsp. mit „queer-/ gender-politik“ etwas am bestehenden gesellschaftssystem modifizieren oder gar ändern zu können nicht viel übrig. vielmehr baut sich durch den stetigen diskurs ideologie – ein notwendig falsches bewusstsein - auf, welche an jeder ecke subversivität verspricht, aber längst als bestandteil vollkommen in die kapitalistische ordnung integriert ist. in dem artikel von roger behrens geht es jedoch weniger um „queer-/ gender-politik“ im speziellen, sondern um den zusammenhang von „popkultur“ bzw. „kulturalisierung“ und „sexualisierung“ im allgemeinen. ähnlich der „kulturalisierung“, welche dem menschen das spezifisch gesellschaftliche – was ihn zu einem gesellschaftlichen wesen macht – unterschlägt, verengt die „sexualisierung“ lt. roger behrens den möglichen sexualitätsfreiraum durch die fokussierung auf den sex an sich.

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eduardo paolozzi – i was a rich man’s plaything (1947)

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richard hamilton – just what is it that makes today’s homes so different, so appealing? (1956)

collage zum angestelltenkult der 50er jahre - „die wirklichkeit ist in die funktionale gerutscht“ (bert brecht) über die produktionsverhältnisse oder besser über die grundlegende gesellschaftliche struktur ist in der collage nichts zuerfahren, dass was die gesellschaft im inneren zusammenhält ist nicht erkennbar, doch zeitgleich geben die bilder/collagen ständig zu verstehen, jenes zu können  

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darstellung von hannah arendt

die zigarette („fackel der freiheit„), phallisches machtsymbol als zeichen der politischen emanzipation 

10 Kommentare

  1. Wenn du eine etwas weniger pessimistische Untersuchung davon, wie das Zur-Kultur-Werden der Waren und die romantische Liebe zusammengehen und dabei Freiheitsgewinne für das Individuum quasi nebenher produzieren, lesen willst, rate ich zu Eva Illouz „Konsum der Romantik“.

    Die Knackpunkte zu anderen Herangehensweisen etwa den Behrensschen Adornoremixen werden auch aufgezeigt.


  2. ja es ist erkennbar, dass behrens sehr klar in der adorno-linie steht, allerdings glaube ich sein text bezieht sich weniger auf die romantische liebe als vielmehr auf die „sexualisierung“ bzw. „desexualisierung“/ „pseudosexualisierung“, welche im scheinbaren widerspruch zueinander einen „hype“ in der heutigen zeit erleben, was die romantische liebe angeht, da habe ich noch einen anderen artikel von ihm zuhause, aber dazu morgen vielleicht mehr. mich persönlich hat an diesem artikel auch eher sein verständnis von „popkultur“ als aufhebung der „ollen kamelle“ „kulturindustrie“ interessiert, zumal ich dieses auch gerne in den zusammenhang mit meiner zweitleidenschaft „fussball“/ „fussballfans“ bringen würde. na ja und das eva illouz da mehr freiräume lässt, konnte ich schon in „gefühle im zeitalter des kapitalismus“ erkennen, aber kein wunder wenn selbst habermas dort seinen platz findet, was per se noch nicht schlechtes sein muss …


  3. „wenn selbst habermas dort seinen platz findet,…“ – Dazu wollte ich noch anmerken, dass unabhängig von Lieblingswerken und Klassikern die Entwicklung in der Soziologie ja weiterging und (These von mir) die klassische KT ja so etwas wie die Postmoderne in einigen ihrer Aspekte und/oder Lesarten ja vorbereitet hat.(Bin ich bei Lyotards „Memorandum über die Legitimität“ darufgekommen; ist hier mit drin=> http://www.amazon.de/Postmoderne-Dekonstruktion-franz%C3%B6sischer-Philosophen-Gegenwart/dp/315008668X)

    Nun ist/war sie dar. Und dann müssen wir uns auch damit befassen.


  4. sehr gerne würde ich mich damit befassen wollen, vielleicht ist auch dieses der weg den behrens beschreitet, die lieblinge von vor 60 bis 70 jahren mit der vielleicht schon dagewesenden postmoderne zu versöhnen bzw. zeigen zu wollen, dass ihre erkenntnisse natürlich in ihrer epoche verortet werden müssen, die grundideen bzw. die herangehensweise aber noch aktuell sein kann, wenn mensch nicht hinter den ergebnissen der neueren diskurse zurückbleibt …


  5. Diese Vorgehensweise als Samplen von Theorie wäre, glaube ich auch schon postmodern. ;)

    Vor 60 Jahren gab es aber Postmoderne meines Wissens nach erst in der Architektur und dann in der Literaturwissenschaft. Als Philosophischer Begriff bzw. Bezug taucht Postmoderne dann in den späten 70ern auf. Prof. Bizeul hatte dazu einen Reader als PDF hochgeladen.


  6. ja schaue ich gleichmal nach dem reader, aber da wir gerade bei lyotard waren, vielleicht, ich bin mir da, aufgrund meines wenig vorhandenen wissens über ihn nicht ganz sicher, sieht lyotard die sache mit dem unterschied von „moderne“ und „postmoderne“ als eitepochen nicht ganz so verbissen und die „moderne“ ist an sich keine epoche, sondern eher sone art weg zur emanzipation des menschens, der nach „auschwitz“ nicht mehr möglich ist *das ende der grossen erzählungen* … aber ich bin mir wie gesagt nicht ganz sicher … zu roger bzw. die „theorie der popkultur“, da habe ich noch was gefunden, wo er mal kurz anreisst, wo er die möglichkeiten für freiräume sieht, allerdings kommt da walter benjamin ins spiel und ich muss mich da dann verabschieden, aber nun spiele ich dir den ball mal zu http://www.beatpunk.org/interviews/roger-behrens-kritische-theorie-der-popkultur/ und seinen blog http://rogerbehrens.blogspot.com/

    was macht tibet ???


  7. Na ich habe den Eindruck dass gerade dieser Text ein aufwendiger Remix ist. Ich habe den als er raus kam gelesen und danach fast alles was dort angerissen wurde und ich habe nicht gefunden wie er darauf kommt. Gerade Benjamins Passagenwerk ist eine reine Zitatenbaustelle, allein schon weil es nie fertiggestellt wurde. Worauf Behrens sich da im Interview bezieht ist, glaube ich eher das Konzept des Passagenwerks, nämlich durch das Samplen von Zitaten über die Passagen zu einer Einsicht über diese als Überbau-Ausdruck der damaligen Verhältnisse zu kommen.

    Ein Satz wie der folgende meint im Grunde nur, dass du beim schlechten Gefühl, dass dich beim Galileoschauen oder „Flavor of Love“; oder etc. überkommt, den Verblendungszusammenhang durchschauhst weil du merkst, dass dies alles nur Schwachsinn ist.

    Hier nochmal in kompliziert:

    „Also, wenn dem Überbau nichts mehr einfällt, um in irgendeiner Weise die ökonomische Basis zu verkleiden und es zu einem geschichtlichem Leerlauf kommt, also genau zu dem, was Benjamin als »Dialektik im Stillstand« bezeichnet, dann könnte ich mir vorstellen, dass genau aus den kulturellen Phänomenen heraus, die vorher dazu gedient haben, die bestehenden Verhältnisse zu bestätigen, sich so etwas wie Bruchlinien abzeichnen.“

    Ich habe zumindest bei sehr vielen Formaten das Gefühl, dass es sich hier um den Niedergang von Journalismus und Unterhaltung handelt, aus dieser „Bruchlinie“ entwickelt sich aber auch nicht ein mehr an Pessimismus, wenn man schon mal Adornit war. :P Wovon ich eigentlich Abstand nehmen wollte. ;)

    In der Onlineausgabe der SZ gibt es eine schöne Reihe zur Zukunft des Jounalismus die kann man auch gut zu diesem thema lesen. Und ja, die Tibetarbeit nervt so dermaßen, dass ich hier gerne zur Auflockerung mal mit dir Philosophie mache. Du hilfst mir quasi auch das durchzustehen. ;)


  8. dass mit dem adorniten kann ich durchaus nachvollziehen, er hat seine erkenntnisse halt vor jahrehnten geschrieben und man würde ihm selbst ja unrecht tun ihn nicht auch in dieser zeit zu verorten. zudem denke ich mal das teddy sich im grabe umdrehen würde, wenn er erfahren würde, dass menschen seine aussagen aus den 40er heute noch 1 zu 1 für die heutige zeit wiedergeben. was den walter benjamin angeht, wie gesagt ich kenne mich mit ihm nicht weiter aus und zu roger behrens, das samplen ist ja schon wie du bereits gesagt hattest „post-modern“, die frage oder vielleicht auch seine kritik an den postmodernen denkern ist vielleicht die, ob sie es schaffen ihr position/ denken zu reflektieren und wissen, dass ihr ideen z.bsp. dem „schweinesystem“ nichts anhaben können, weil sie sich auf einer anderen ebene abspielen und eben z. bsp. die produktionsverhältnisse nicht oder falsch thematisieren/ kritisieren … fragen über fragen in meinem kopf


  9. Gemeinhin wird an sog. „PoMo-Scheiße“, glaube ich, gerade die selbstironisierende Kokkette kritisiert, die mit dem Wissen spielt, dass die eigene Philosophie dem Schweinesystem nichts anhaben kann. Also etwas, was wir auch nach dem dritten Vodka am Welterklärungstresen machen. :P


  10. [...] kommentiert. Diese Prozedur wiederholte sich im Laufe des Tages und so entwickelte sich in den Kommentaren des Knusperflockenbeitrags über “Sex-Pop”, “Pop-Kultur”, “Pop-Art” und die … eine anregende Diskussion, in deren Verlauf ein Link zu einem Interview der Beatpunks aus Leipzig [...]



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